SŁUŻEWIEC
WARSAU
Polen
Der Warschauer Stadtteil Służewiec durchläuft derzeit seinen vierten radikalen Wandel seit 1950. Einst ein landwirtschaftliches Gebiet, entwickelte es sich zu einem Schwerindustriegebiet und verwandelte sich Anfang der 2000er Jahre in Polens größtes, stark betoniertes Bürozentrum (umgangssprachlich „Mordor“ genannt); nun durchläuft es eine spektakuläre Entwicklung hin zu einer nachhaltigen, gemischt genutzten „15-Minuten-Stadt“. Angetrieben von fortschrittlicher Stadtpolitik und dem Abriss veralteter Bürogebäude, um Platz für moderne Wohnsiedlungen zu schaffen, bricht Służewiec heute endgültig mit seiner funktionalen Monokultur.
Ein Paradebeispiel für diese neu gewonnene Multifunktionalität ist eine kürzlich eröffnete öffentliche Grundschule. Im Rahmen einer wegweisenden öffentlich-privaten Partnerschaft, die durch ein spezielles Wohnungsbaugesetz ermöglicht wurde, bauten private Bauträger eine voll ausgestattete Schule und übergaben sie der Stadt, wodurch entscheidende Bildungslücken geschlossen wurden.
Grüne Infrastruktur treibt diese städtische Wiedergeburt voran. Das Kronjuwel ist die von der EU finanzierte Revitalisierung des Służewiecki-Teichs und des umliegenden Tals, durch die die natürliche Wasserrückhaltung erfolgreich wiederhergestellt wurde. Ebenso wichtig ist der neue Suwak-Linearpark – ein 20.000 m² großer grüner Erholungskorridor, der auf ehemals vernachlässigtem Gelände zwischen Bürogebäuden, Wohnblöcken und einer Eisenbahnstrecke angelegt wurde. Mit Regengärten, Blumenwiesen und Holzpromenaden verbindet er den Stadtteil wieder sicher für Fußgänger und Radfahrer.
Mit der ikonischen Pferderennbahn von Służewiec als Ankerpunkt – einem architektonischen Meisterwerk des Modernismus und einer riesigen „grünen Lunge“ – setzt der Stadtteil einen neuen europäischen Maßstab. Durch die Aufwertung des öffentlichen Raums, öffentlich-private Zusammenarbeit und naturbasierte Lösungen gelingt es Służewiec, ein dicht besiedeltes Stadtgebiet erfolgreich an den Klimawandel anzupassen und gleichzeitig die Lebensqualität seiner Bewohner und Arbeitnehmer drastisch zu verbessern.
Jakub Kompa – Vorsitzender des Vereins „Lepszy Służewiec“:
„Wir freuen uns, dass der Stadtentwicklungsprozess, den Służewiec derzeit durchläuft, Anerkennung gefunden hat und die Chance besteht, bei Stadtbegeisterten auf der ganzen Welt größere Beachtung zu finden. Służewiec ist ein Stadtteil, der in den letzten 50 Jahren bereits zum vierten Mal einen Wandel durchlaufen hat. Zum ersten Mal in der Geschichte besteht die Chance, dass dieser Teil Warschaus zu einem vollwertigen, effizienteren Stadtteil wird. Wir hoffen, dass die Teilnahme am Wettbewerb die in den Transformationsprozess investierte Arbeit hervorhebt und es anderen Städten weltweit ermöglicht, von unserem Beispiel zu lernen.“
Einhaltung der Kriterien für künftige Städte
Umwelt & Natur
Die Umweltstrategie des Stadtbezirks legt den Schwerpunkt auf die Bekämpfung des städtischen Wärmeinseleffekts durch die systematische Entsiegelung von Betonflächen und den Ausbau der blau-grünen Infrastruktur. Durch die Renaturierung lokaler Teiche wurde die Wasserrückhaltekapazität um 14.000 m³ erweitert. Lokale städtische Initiativen setzen sich nachdrücklich dafür ein, Betonparkplätze durch Kleingärten zu ersetzen. Darüber hinaus orientieren sich die meisten neuen Bauvorhaben an den BREEAM- und LEED-Zertifizierungen und setzen Gründächer, Regengärten sowie Praktiken der Kreislaufwirtschaft um, um die lokale Artenvielfalt zu fördern.
Intelligente Stadt
Służewiec dient als „Living Lab“ für intelligente Mobilität und Stadtmanagement. Die Umsetzungsstrategie konzentriert sich darauf, die Abhängigkeit vom Auto zu verringern, indem intelligente Verkehrssysteme (ITS) integriert und die Infrastruktur für aktive Mobilität gefördert werden. Der Bezirk entwickelt Mobilitätsknotenpunkte, die Straßenbahnnetze, Radwege und gemeinsame Mikromobilitätsdienste nahtlos miteinander verbinden. Darüber hinaus überwachen intelligente Umweltsensoren die Luftqualität, während energieeffiziente LED-Beleuchtung mit Bewegungssensoren den Energieverbrauch in gewerblichen und öffentlichen Bereichen senkt.
Menschenzentriert
Im Mittelpunkt der langfristigen Strategie des Stadtteils steht der Wandel von einem Unternehmenszentrum mit 9-bis-5-Arbeitszeiten hin zu einer lebendigen, sozial von Zusammenhalt geprägten Gemeinschaft. Dies wird durch die Einführung der Prinzipien der „15-Minuten-Stadt“ erreicht: Die Gewährleistung des Zugangs zu Bildung, lokalen Dienstleistungen und kulturellen Einrichtungen in fußläufiger Entfernung. Die Umwandlung ehemaliger Industriegleise in lineare Parks, die Einführung von Co-Living-Räumen und die Neugestaltung der Erdgeschosse zur Einbeziehung von Cafés bauen bewusst die Barrieren zwischen Büroangestellten und neuen Anwohnern ab und schaffen so ein echtes Zugehörigkeitsgefühl.